Café+ am 13.6.2019 – Die Pilgerreise – John Bunyan und sein Weltbestseller

Referent dieses 63. Café+ war der Historiker Dr. Jan Carsten Schnurr. Er lehrt und forscht an der „Freien Theologischen Hochschule“ in Gießen zu den Themen Kirchengeschichte und Apologetik. Sein Thema an diesem Nachmittag war das Buch „Die Pilgerreise“ von John Bunyan, ein Klassiker der Weltliteratur, ist es doch in mehr als 200 Sprachen und Dialekte übersetzt worden. Das Werk erschien im Jahr 1678 und war von einem einfachen englischen Kesselflicker, einem Handwerker, der fast keine Schulbildung genossen hatte, verfasst worden. John Bunyan war 1628 geboren worden, mitten in einer von Katastrophen erschütterten Epoche (etwa dem Dreißigjährigen Krieg auf dem europäischen Festland). Bei seinem Vater hatte er schon früh das Handwerk des Kesselflickers oder Messingschmieds gelernt: Seine Arbeit bestand darin, herumzuziehen und kaputte Pfannen, Kochtöpfe und andere Metallgegenstände zu reparieren. Es war ein körperlich anstrengender und gesellschaftlich nicht sehr angesehener Beruf. In den 1640er Jahren brach in England ein Bürgerkrieg aus und Bunyan wurde mit 16 Jahren eingezogen. Einmal, als er zu einer Belagerung aufbrechen sollte, bat ihn einer seiner Kameraden, ob er mit ihm tauschen könne. Er war einverstanden und dieser Kamerad wurde dann bei der Belagerung durch einen Kopfschuss getötet. Es muss den jungen Bunyan sehr beschäftigt haben, dem Tod so knapp entkommen zu sein. Offener für Gott wurde er dadurch aber nicht, eher im Gegenteil. Es war ein raues Milieu, in dem er lebte und das eigentlich gut zu ihm passte. Er war (so schreibt er später) gewohnt zu fluchen, zu lügen und den Namen Gottes zu lästern. Zudem starben in dieser Zeit direkt hintereinander seine Mutter und seine Schwester und sein Vater heiratete nach nur einem Monat eine neue Frau. Nachdem John Bunyan die Armee verlassen hatte, arbeitete er wieder als Kesselflicker und heiratete. Sie bekamen eine Tochter, die jedoch blind geboren wurde, danach noch drei weitere Kinder. Seine Frau hatte zwei christliche Erbauungsbücher mit in die Ehe gebracht, in denen sie gemeinsam lasen. So begann Bunyan sich für den christlichen Glauben zu interessieren. Bis er jedoch zu einem festen und fröhlichen Glauben kam, war es ein langer und ausgesprochen schwerer Weg. Eines Tages traf er auf einige Frauen, die sich über den Glauben unterhielten und er kam mit ihnen ins Gespräch. Von ihren Aussagen her zu schließen waren sie tief überzeugt von ihrer eigenen Sünde; trotzdem sprachen sie fröhlich von Jesus Christus. Das beeindruckte ihn, weil er so etwas nicht kannte, und er ging mit in eine kleine baptistische Gemeinde. So lernte er John Gifford, den Pastor der Gemeinde, kennen. Gifford wurde sein Mentor und hat ihn sehr geprägt. Viele meinen, Gifford sei das Vorbild für die Figur des Evangelisten in der „Pilgerreise“. Bunyan lies sich taufen und schloss sich der Gemeinde an. Auch las er jetzt selbst sehr intensiv in der Bibel. Allerdings litt er unter extremen inneren Kämpfen. Er zweifelte manchmal, ob der christliche Glaube wahr sei – warum sollten z. B. die Christen Recht und die Muslime Unrecht haben? Häufiger quälten ihn auch Zweifel, ob er wirklich von Gott angenommen sei. Noch schlimmer war, dass er das Gefühl hatte, der Teufel würde ihm permanent einflüstern, sich von Jesus Christus loszusagen. Und eines Morgens hatte er den Eindruck, er hätte dieser teuflischen Eingebung innerlich nachgegeben. Einige Jahre lang hat er deshalb mit der Vorstellung gekämpft, er habe die Sünde gegen den Heiligen Geist begangen und es gebe deshalb für ihn keine Vergebung. Es war für Bunyan eine furchtbare Zeit. Aber eines Tages, als der draußen auf dem Feld war, kam ihm ganz plötzlich ein Gedanke in den Sinn: „Deine Gerechtigkeit ist im Himmel.“ Als Christ war er doch jemand, der Jesus seine Gerechtigkeit...

mehr