Auf den Spuren der Reformation – Café + am 10. August 2017

Auf den Spuren der Reformation – Café + am 10. August 2017

Ruth Robles begrüßte herzlich die wieder zahlreich erschienen Besucher und führte dann durchs Programm.

Nach einer Zeit für Gespräche bei Kaffee, Kuchen und Schnittchen spielte dann Klaus Loh zunächst das Luther-Lied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ nach dem Text von Psalm 130 und leitete dann über zu dem wohl bekanntesten Lied Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“ – das dann von allen Besuchern recht kräftig gemeinsam gesungen wurde. Nach dem Vortrag sprach Barbara Hering den Dank für den Referenten aus und verlas dann einige Gedanken zu dem „Wort zum Donnerstag“, die von Doris Loh im Krankenhaus verfasst worden waren – sie empfahl den Besuchern, einmal zu Hause den Psalm 91 durchzulesen mit der Erwartung zu erleben, wie Gott Vertrauen in ihn beantwortet. Sie wünschte sich sehr, bald wieder im Café + dabei sein zu können. Am ende der Veranstaltung verabschiedete Ruth Robles die Gäste mit einem Segensgebet.

Hier eine Zusammenfassung des von Klaus Loh gehaltenen Vortrags:

„Auf den Spuren der Reformation – Am Anfang war das Wort. Und das ist ja tatsächlich so. Schon im Schöpfungsbericht wird beschrieben, dass Gott durch sein Wort die ganze Welt erschaffen hat. Er sprach – und es wurde. Das Wort Gottes hat eine für uns beinahe unvorstellbar große Kraft.

Dieses Wort Gottes hatte auch die Kraft, aus einem einfachen Mönch einen der größten Reformatoren in der Kirchengeschichte zu machen und damit die ganze damalige Welt umzukrempeln. – Und auch heute noch hat dieses Wort Gottes die gleiche Kraft.

Es erscheint wichtig, dass man bei Martin Luther nicht seine Schwachstellen, sondern das herausstellt, was Gott durch diesen eigentlich einfachen Mönch bewirken konnte – eine ganz erstaunliche Wende in der Kirchengeschichte, die bis heute deutliche Spuren hinterlassen hat.

Reformation hat es aber ja schon auch vor Luther gegeben – Reformbemühungen kann man bis in die ersten Christengemeinden verfolgen. Schon damals gab es Fehlentwicklungen, die sich bei den Christen eingeschlichen hatten – aber immer wieder findet man im NT die Aufforderung, zurück zu kehren zu der Lehre der Apostel (Apg. 2,42), zu dem, was Jesus eigentlich will – eine Reform, eine Reformation – eine Erneuerung, eine Wiederherstellung – Wiederherstellung dessen, was Jesus eigentlich will.

Auch in den 1.500 Jahren bis Luther kann man immer wieder Fehlentwicklungen erkennen, und dann gab es auch immer wieder treue Christen, die zurück zu den Wurzeln, zurück zu der Lehre der Apostel wollten.

Später, als man dann von Kirche sprach und sich daraus eine beinahe übermächtige Organisation entwickelte, hatten solche relativ kleinen Gruppen von diesen treuen Christen kaum noch eine Chance, gegen solche Fehlentwicklungen vorzugehen und die Kirche wieder zurück zu den Wurzeln, zur Lehre der Apostel zu führen. Als Beispiel kann man die Waldenser anführen. Ein wesentliches Kennzeichen dieser Leute war das persönliche Bibelstudium – der Wunsch, zurück zu finden zu der Lehre der Apostel, zu dem, was Jesus eigentlich will. Aber sie wurden damals stark verfolgt und blieben eine kleine Minderheit.

Durch Martin Luther nun konnte Gott eine wirklich große Erneuerungsbewegung ins Leben rufen, die bis heute viele Spuren hinterlassen hat. Martin Luther hatte aufgrund seines persönlichen Bibelstudiums den Anspruch, zurück zu den Wurzeln, zurück zu der Lehre der Apostel zu finden – und gerade der Brief des Paulus an die Römer hat dabei eine ganz wesentliche Rolle gespielt – das war es, was Christus eigentlich wollte.

Alle Bemühungen Luthers, Gott gnädig zu stimmen, waren erfolglos geblieben – und was hat Luther alles an Exerzitien auf sich genommen – es half nichts – bis es ihm plötzlich beim Bibelstudium wie Schuppen von den Augen fiel: Allein das Vertrauen, der Glaube an die Gnade Gottes ist die Lösung seines Problems –

Gott will uns Menschen gnädig sein, ohne dass wir irgendwelche Vorleistungen zu erbringen haben, er will uns Vergebung schenken – und wir dürfen darauf vertrauen und dieses Geschenk Gottes annehmen, weil die Schrift, die Bibel, es uns zusagt. Die Zusagen Gottes, das Wort Gottes verändert Menschen und macht sie zu Christen.

Luthers vier große Soli sind auch heute noch die Grundpfeiler unseres Glaubens:

Sola gratia – allein duch Gnade

Sola fide – allein durch Glauben

Sola scriptura – allein die Schrift und

Solus Christus – allein durch Christus

Und Luther fügte noch hinzu:

Soli deo gloria – allein Gott sei Ehre

Luther hat sich seinerzeit dagegen gewehrt, dass seine Anhänger sich Lutheraner nennen wollten. Sinngemäß sagte er: Was bin ich doch für ein kleiner, schwacher Mensch – wie könnten sich Menschen nach meinem Namen benennen. Er legte viel mehr Wert auf das Wort „evangelisch“ – weil eben das Evangelium, die Botschaft Gottes, wie sie uns in der Bibel überliefert ist, das Wichtigste für ihn war. Wenn wir uns heute also „evangelisch“ nennen, ist das eine direkte Folge der Reformation, Spuren, die Luther hinterlassen hat.

Damals wurden allerdings alle Gruppen, die nicht zur katholischen Kirche gehörten, als Protestanten bezeichnet – wobei das lateinische Wort protestari durchaus auch eine positive Grundbedeutung hat, „für etwas zum Zeugen aufgerufen werden“, „für etwas Zeugnis ablegen“. Genau das hat Martin Luther damals ja in erstaunlich mutiger Weise getan – Zeugnis abzulegen für das Evangelium, für das, was er aus der Schrift als Wille Gottes erkannt hatte, auch wenn er sich damit selbst in Lebensgefahr begeben hat.

Beeindruckend ist auch, wie Gott im 15. Jahrhundert die Weltgeschichte so gelenkt hatte, dass es zu einer Zeit des Aufbruchs kam. Die festgefügten traditionellen Vorstellungen von der Welt kamen ins Wanken – und damit wurde in weiten Bevölkerungskreisen die Bereitschaft geweckt, sich neuen Gedankengängen zu öffnen.

Man suchte alternative Deutungen des bisher gültigen Weltbildes – Und dann kamen noch die großen Entdeckungen einer bisher unbekannten Welt dazu. 1492 entdeckte Columbus Amerika – er hatte sich vorgestellt, dass die Erde wohl doch eine Kugel sei – und keine Scheibe – und dass es daher möglich sein müsste, dieses ferne geheimnisvolle Land Indien auch auf seiner Reise rund um die Erdkugel zu erreichen – heute wissen wir, dass er den amerikanischen Kontinent dabei gefunden hatte.

Diese Entdeckungen weiteten den Blick vieler Europäer und man wurde wohl oder übel gezwungen, seine eigene Meinung neu zu überdenken.

Diese so vorbereitete Zeit ermöglichte dann Reformbewegungen nicht nur durch Luther, sondern etwa zeitgleich auch an anderen Orten. In  Zürich wirkte Ulrich Zwingli (1484 – 1531) und in Genf im französisch sprachigen Raum Johannes Calvin. Die daraus entstandenen Bewegungen nannte man „reformierte Kirchen“ – und etwa ab 1560 besonders in Frankreich die Anhänger Calvins „Hugenotten“

Spuren  der Reformation, die auf Calvin zurück gehen, findet man gerade bei uns in Hessen noch recht viele. In Nordhessen gibt es einen Hugenottenpfad, der durch 10 Orte mit hugenottischen Wurzeln geht. Und hier bei uns ganz in der Nähe gibt es die Burg Greifenstein und dann den kleinen Ort Daubhausen (der heute zu Ehringshausen gehört).

In Greifenstein findet man im Burgmuseum eine Hugenottenstube und man weiß, dass der Graf von Solms-Greifenstein im Jahr 1685 150 aus Frankreich vertriebene Hugenotten-Familien in Daubhausen angesiedelt hat. „J‘ étais étranger, et vous m´avez accueilli, “(„Ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen“) lautet die Inschrift des Greifenthaler Hugenottenbrunnens. In der Kirche von Daubhausen wurde noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts in französischer Sprache gepredigt.

Spuren der Reformation in unserer unmittelbaren Umgebung, einer Reformation, die allerdings nicht auf Luther, sondern auf Calvin zurück gehen. Die Kirche in Greifenstein nennt sich daher auch nicht lutherisch, sondern evangelisch-reformiert.

Zu den weltweiten Entwicklungen damals gehörte auch die bahnbrechende Erfindung der Buchdruckerkunst. Luther und auch die anderen Reformatoren hätten ihre Gedanken bei weitem nicht so schnell und nachhaltig verbreiten können, wenn sie alles noch handschriftlich hätten vervielfältigen müssen. So konnte man mit dem Druckverfahren recht schnell und wirkungsvoll Erkenntnisse verbreiten.

Dazu kam die auch heute noch von Sprachwissenschaftlern hoch geschätzte Fähigkeit Luthers, eine gemeinsame deutsche Sprache zu finden. Man liest dazu: Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testamentes, die er im September 1522 beendete, war ein wichtiger Schritt einer frühen, als Ausgleichssprache fungierenden deutschen Schriftsprache. Damit konnten sich die Menschen in dem sehr zersplitterten „Heiligen römischen Reich deutscher Nation“ – wie es damals hieß – einigermaßen gut verstehen. Auch unsere heutige hochdeutsche Sprache sind Spuren der Reformation.

Man könnte neben vielen neu entdeckten Glaubensinhalten gerade die Übersetzung des NT als eines der wichtigsten Leistungen Luthers bezeichnen – am Anfang war das Wort – sola scriptura – nur die Schrift – mit diesem Übersetzungswerk schuf Luther eine Grundlage für breite Bevölkerungskreise, wieder zurück zu finden zu dem Wort Gottes, zu der Lehre der Apostel, zu dem, was Jesus eigentlich will – eine Bewegung zurück zur Bibel, wie wir sie dann auch in späteren Jahrhunderten immer wieder erleben.

Werfen wir jetzt einmal einen Blick auf die Bedeutung der Musik- Lieder haben schon immer eine große Rolle in den christlichen Gemeinden gespielt. Schon in den Briefen des Paulus wird erwähnt, dass man Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder gesungen hat.

Im Laufe der Kirchengeschichte kamen auch immer wieder neue Lieder dazu – allerdings entwickelte sich im Mittelalter dann das Liedgut entweder zu rein liturgischen Gesängen (in lateinischer Sprache) oder zu immer kunstvolleren Werken, bei denen die Gemeinde dann kaum noch mitsingen konnte. Schon im 8.  Jahrhundert entstanden etwa die Gregorianischen Gesänge – die man ja bis heute noch kennt.

Für Martin Luther wurde es wichtig, dass auch die Gemeinde das Evangelium in Liedern zum Ausdruck bringen konnte, dass jeder mitsingen konnte. Dabei legte er großen Wert auf den Inhalt – am Anfang war das Wort – er verstand die Lieder als Verkündigung des Evangeliums. Wie er es in den Psalmen des AT vorfand, wollte er auch das ganze Spektrum der christlichen Botschaft in den Liedern wiederfinden. Lieder, die das bis heute widerspiegeln, sind Spuren der Reformation, hier wird dieser Wunsch konkret, die ganze Botschaft des Evangeliums zu verkündigen – auch ein Zeichen für den Wunsch zurück zu den Wurzeln, zurück zu der Lehre der Apostel, zu dem, was Jesus eigentlich will

Historiker meinen übrigens, dass gerade die Lieder damals mehr dazu beigetragen haben, die Reformation auszubreiten als das gesprochene oder geschriebene Wort: Zitat: „Die Reformation hat sich weder durchgepredigt noch durchgeschrieben – sondern durchgesungen“ (Eugen Eckert, 2012).

Auch hier galt für Luther: Soli deo gloria – allein Gott sei Ehre. Diesen Ausdruck findet man übrigens auch in den Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel – beide sind deutliche Spuren der Reformation.

Allerdings war auch die damals entstandene evangelische Kirche nicht vor Fehlentwicklungen gefeit. So entwickelte sich weithin ein Christentum, das sehr formal geworden war – die persönliche Beziehung zu Jesus wurde weniger wichtig – Hauptsache, man konnte das richtige Glaubensbekenntnis aufsagen – aber auch da befähigte Gott wieder Menschen, die zurück zu den Wurzeln wollten. – Es trafen sich plötzlich wieder Christen zum persönlichen Bibelstudium – heute würden wir sagen – in Hauskreisen.

Ein Vertreter dieses sogenannten Pietismus (in dieser Zeit lebte auch Johann Sebastian Bach) war etwa August Hermann Francke (etwa um 1700) – dessen Name uns heute ja durch die christliche Schule in Gießen recht bekannt ist. Er betonte, dass man Christ wird, wenn man Jesus Christus um Vergebung seiner Sünden bittet und von ihm dann Vergebung zugesprochen bekommt. Dadurch wird man innerlich neu geboren und kann nun unter der Leitung und mit Hilfe Jesu ein Leben führen, das mehr und mehr dem entspricht, was Jesus eigentlich will – auch hier ein zurück zu den Wurzeln, zurück zur Lehre der Apostel und dem, was Jesus eigentlich will.

Diese Bewegung, der Pietismus, wird als eine Weiterentwicklung der Reformation Luthers verstanden – die tätige Nächstenliebe und auch der Gedanke der Mission wurden zu wichtigen Aspekten des praktischen Christenlebens.

Ein weiterer Vertreter des Pietismus war: Nikolaus Graf von Zinsendorf. Er verstand sich als direkter Schüler Luthers und war sehr bemüht, die Lutherische Kirche zu erneuern. Als er damit aber nicht so recht voran kam, gründete er eine eigene Konfession, die Herrnhuter Brüdergemeine. Wie Luther wollte er die ganze Theologie und das gesamte Gemeindeleben allein auf Aussagen der Heiligen Schrift gründen.

Auch die heute ja weltbekannten Herrnhuter Losungen sollten als ein festigendes Band der Gemeinschaft und als täglicher Leitfaden für wichtige Lebensentscheidungen helfen, ein Leben nach dem Willen Jesu zu führen. Also auch hier heute noch deutliche Spuren der Reformation.

Aber auch zu dieser Bewegung gab es dann Gegenwind – die Gedanken der Aufklärung, des Humanismus und eines erstarkten Atheismus setzten sich durch und erreichten auch die evangelischen Kirchen.

Einer der bekanntesten und einflussreichsten Atheisten war der Franzose Voltaire. Er meinte, Religion kann man den aufgeklärten Menschen nicht zumuten und er behauptete, dass die Bibel innerhalb von hundert Jahren nur noch als Antiquität zu finden sein würde. Voltaire starb 1778. Aber innerhalb von 150 Jahren nach seinem Tod gebrauchte die Genfer Bibelgesellschaft seine Druckerpresse und sein Haus in Paris, um Bibeln zu produzieren! – Die Bibel gehört bis heute zu den meistverkauften Büchern weltweit – aber wer kauft heute noch ein Werk von Voltaire?

Eine Menge von Fehlentwicklungen musste man damals in den Kirchen feststellen,– es hieß dann nicht mehr: Sola scriptura, nur die Schrift, sondern eher sola ratio, allein die Vernunft.

Und dann geschah wieder etwas, über das ich immer wieder staunen muss – etwa zeitgleich entstanden an den verschiedensten Orten kleine Kreise von Christen, die sich wie im Pietismus damals in Hauskreisen trafen, um wieder zurück zu den Wurzeln zu finden – persönliches Bibelstudium war wieder angesagt – und viele Menschen fanden den Weg zu einer persönlichen Verbindung zu Jesus Christus als ihrem Herrn und Erlöser – eine Weiterentwicklung des Pietismus, die zu der sogenannten Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts führte.

Zentren dieser Bewegungen waren z.B. das Siegerland, der Biedenkopfer Raum, Wuppertal-Elberfeld, aber auch im Norden Minden, das Ravensburger Land – Pommern, Ostpreußen – auch in anderen Ländern fand man diese Bewegung. Ich weiß nicht, wie Gott das hinbekommen hat, dass an so vielen sehr unterschiedlichen Orten Menschen sich plötzlich wieder auf die Bibel besannen und dann auch danach leben wollten. Die äußere Mission wurde verstärkt, aber man legte jetzt auch großen Wert auf die sogenannte Innere Mission – die sich in Evangelisationen zeigte, aber dann auch in tätiger Nächstenliebe, einer Zuwendung zu bedürftigen Menschen.

Johann Hinrich Wichern gründete in Hamburg das „Rauhe Haus“, in dem er sich besonders um sogenannte gescheiterte Existenzen kümmerte. Er gilt als der Begründer der evangelischen Diakonie – die heute ja doch eine recht umfangreiche Organisation ist.

Eine andere, heute noch sehr sichtbare Folge der Reformation ist das Rote Kreuz. Henry Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, wurde Christ – und es wurde ihm aufs Herz gelegt, sich besonders um die Verwundeten in den damaligen Kriegen zu kümmern. Aus dieser christlichen Motivation heraus entstand dann im Laufe der Zeit diese heute weltumfassende Organisation des Roten Kreuzes.

Noch ein Beispiel aus England: 1865 hatte ein gewisser William Booth eine erste Zeltversammlung – er wollte sich um gescheiterte Menschen kümmern, besonders auch um Alkoholiker, aber ihnen auch gleichzeitig das Evangelium von Jesus verkündigen. Daraus entstand die Heilsarmee. Auch diese Arbeit finden wir in Deutschland heute noch besonders in Großstädten.

Anders als beim Roten Kreuz, bei dem man heute diese Aufgabe, das Evangelium zu verkünden, ja eigentlich nicht mehr findet, hat sich die Heilsarmee bis heute diese doppelte Aufgabe gestellt: Menschen in Not zu helfen und ihnen gleichzeitig auch die frohe Botschaft von Jesus zu sagen – eine doch schöne Spur der Reformation.

Andere Gruppen versuchten, innerhalb der Kirche Veränderungen zu bewirken – sie trafen sich dazu zusätzlich zu den Gottesdiensten – es entstanden die Landeskirchlichen Gemeinschaften. Die EG, Evangelische Gesellschaft wurde übrigens 1848 in Elberfeld gegründet – ihr erster Schriftführer war Carl Brockhaus, der dann später die Brüdergemeinden in Deutschland ins Leben rief.

Carl Brockhaus gehörte in Elberfeld zu dem Evangelischen Brüderverein, der sich besonders zur Aufgabe gemacht hatte, Menschen in Deutschland das Evangelium zu verkündigen, insbesondere solchen, die lediglich dem Namen nach Christen waren, aber keine persönliche Beziehung zu Jesus Christus kannten.

Zu diesem Brüderverein gehörte auch Heinrich Hermann Grafe – er wiederum gründete auch mehr oder weniger notgedrungen dann eine Freikirche, die wir heute unter dem Namen Freie evangelische Gemeinde kennen – solche FeG’s gibt es ja auch z.B. hier in Wetzlar und in Gießen.

Als Folge dieser Erweckungsbewegung kann man auch den CVJM nennen. In England wurde der erste YMCA 1844 von George Williams in London gegründet. Er hatte das Ziel, jungen Menschen in der Großstadt Orientierungshilfen in Glaubens- und Lebensfragen zu geben. Heute ist der CVJM mit über 45 Millionen Mitgliedern weltweit die größte Jugendorganisation – eine Folge der Erweckungsbewegung, Spuren der Reformation.

Man könnte meinen, durch diese breite Erweckungsbewegung hätte die gesamte Christenheit wieder zurück zu den Wurzeln gefunden, zurück zur Lehre der Apostel, zur Bibel. Aber wie zu allen Zeiten auch früher schon gab es doch wieder Fehlentwicklungen, deren Folgen wir gerade in unserer Zeit oft zu spüren bekommen.

Wenn wir das Wichtige an der Reformation vor 500 Jahren durch Luther und andere festhalten wollen, dann ist es doch der immer wieder aufblühende Wunsch, zurück zur Bibel zu finden, zurück zu den Wurzeln, zu dem, was Jesus Christus eigentlich will.

Luther hat es damals schon richtig erkannt – sola scriptura. Nur in der Bibel kann man erkennen, dass wir allein durch die Gnade Gottes – sola gratia – erlöst werden können und dass nur durch einen persönlichen Glauben – sola fide – durch unser festes Vertrauen in das Wort Gottes unsere Zukunft auch über den Tod hinaus bis in die Ewigkeit bei Gott garantiert ist – und dass uns dann auch schon hier nur durch Christus – solus Christus – mit seiner Hilfe ein Leben zur Ehre Gottes gelingen kann – soli deo gloria.

Und nur das kann auch uns heute helfen, sich von Fehlentwicklungen zu distanzieren, wenn wir uns intensiv mit der Bibel beschäftigen, mit dem Wort Gottes. Und dabei dürfen wir darauf vertrauen, dass die Kraft des Evangeliums, die Kraft des Wortes Gottes auch heute ungebrochen ist – auch wenn wir manchmal verlacht oder als Hinterwäldler oder „von gestern“ verunglimpft werden – die Kraft des Wortes Gottes ist auch heute noch ungebrochen, sodass wir mutig „protestieren“ – Zeugnis davon ablegen können.

Was aber eigentlich noch wichtiger ist: Zuallererst geht es ja nicht darum, Fehlentwicklungen zu korrigieren, sondern selbst mit Gott ganz persönlich klar zu kommen. Auch hier hilft doch am besten das Bibelstudium – um nachzusehen, was Jesus Christus tatsächlich über mich denkt, welches unfassbar großartige Angebot er mir macht – und es dann auch persönlich anzunehmen – um dann immer mehr zu einem Christen heranzuwachsen, der ein Leben nach den Gedanken Gottes führen kann.

Dieses Erleben, zu Christus gehören zu dürfen und mit ihm und mit seiner Hilfe sein Leben auch ganz praktisch im Alltag gestalten zu können, wünsche ich uns allen. Das ist tatsächlich das Beste, was uns passieren kann!“

Klaus Loh

  1. August 2017 im Café +