Café+ am 14.2.2019 DIe Macht der Gedanken

Cafe+ am 14.2.2019 mit Gretchen Hilbrands

Vieles in unserem Alltag wird durch unsere Gedanken bestimmt. Oft ist uns nicht klar, welche Macht unsere Gedanken über uns haben und dass wir dieser Macht aber nicht hilflos ausgeliefert sind. Wir können sie beeinflussen. Wie, das erklärte die Referentin, Gretchen Hilbrands, an diesem Nachmittag im „Café+“ und als Grundlage ihres Vortrags diente ihr neues Buch „Schluss mit dem Gedankenkarussell – Wie Sie innerlich zur Ruhe kommen“ (Brunnen-Verlag Gießen, 2019):

Hinführend zum Thema zitierte Frau Hilbrands den Anfang ihres Buches:

Als ich eine junge Mutter war

Es ist ein Abend, wie sie in meiner Situation als junge Mutter und Ehrenamtliche so typisch sind. Zwei, manchmal drei oder vier Abende in der Woche sind mit Sitzungen, Veranstaltungen, Frauentreffs, Chor, Elternabenden oder Ähnlichem ausgefüllt. Natürlich nicht alle jede Woche, aber zwei Abende die Woche bin ich mindestens außer Haus. Aus dem vollem Alltag hinein in die Abendveranstaltung. Hier treffen sich Menschen, die ähnliche Anliegen und Interessen haben oder deren Kinder in derselben Schule oder Klasse sind. Hier wird erlebt, geredet, kontrovers diskutiert. Manche Äußerung fällt, manche Entscheidung wird getroffen. Viele beteiligen sich an der Diskussion, viele äußern sich, ich auch.

Todmüde falle ich zu Hause ins Bett und wache nachts mit Gedanken auf, die mich sofort hellwach werden lassen. Ist die Entscheidung, die wir getroffen haben, richtig? War der Ansatz, den wir gewählt haben, korrekt? Warum hat XY dies und das gesagt? Warum hat er mich dabei so merkwürdig angesehen? Warum waren alle plötzlich still, als ich meine Meinung geäußert habe? Ist das, was ich denke, was ich sage, noch gesellschaftlich aktuell? Wollen die anderen das überhaupt? Bin ich in den Augen der anderen skurril? Merkwürdig? Habe ich überholte Ansichten? Oder zu fortschrittliche? Habe ich zu viel gesagt? Zu wenig? Das Falsche? Das Richtige? Was haben die anderen nur über mich gedacht, als ich …

Gedanke über Gedanke stapelt sich auf, wird voluminöser, schweißtreibender, raubt mir den Schlaf. Ich denke. Ich kann nicht mehr einschlafen. Stunde um Stunde verrinnt, macht mich immer ärgerlicher, weil ich meinen Schlaf brauche, er sich aber nicht erzwingen lässt. Ich stehe auf. Werde müde, versuche weiterzuschlafen. Fast gelingt es mir einzuschlafen, doch der erste Gedanke erkämpft sich erneut heimtückisch seinen Platz … und wieder bin ich hellwach. Und mein Gedankenkarussell setzt sich erneut in Bewegung.

 Mach dir doch nicht so viele Gedanken

„Mensch, mach dir doch nicht so viele Gedanken!“ Wer hat das noch nicht gesagt bekommen oder diesen Ratschlag schon an andere verteilt? „Mach dir doch nicht …“ Der Rat ist schnell ausgesprochen, zumindest, wenn es um andere geht. Es fällt uns sofort auf, wenn bei anderen die Gedanken auf Karussellfahrt gehen und manches Mal die Sachlichkeit auf der Strecke bleibt. Das Kreisen der Gedanken ist vielen wohlvertraut. Insbesondere nachts finden sich zahlreiche Mitreisende im Gedankenkarussell.

Wir Menschen machen uns nun mal Gedanken. Und das ist auch gut so. Unser Leben will gelebt, Entscheidungen wollen getroffen werden. Wir brauchen Antworten und Lösungen für den Alltag, für das Heute und das Morgen. Die Zukunft will gestaltet werden, wohlüberlegt sein. Vorsorge benötigt zielorientiertes Handeln, welches auf vorherigem Nachdenken basiert. Gespräche wollen gedanklich vorbereitet werden, gerade dann, wenn sie Konfliktpotenzial enthalten. Probleme stellen sich uns in den Weg, wir müssen sie durchdenken, um sie bearbeiten zu können. Wehe dem, der leichtsinnig und unbedacht in den Tag hinein lebt und sich erst Gedanken macht, wenn sich die Probleme aufgetürmt haben und das Denken vom Handeln-Müssen überrollt wird.

Denken ist also wichtig und richtig. Denken muss und darf sein. Nur nachts nicht, wenn wir um unseren sauer verdienten Schlaf mit den Gedanken im regelrechten Ringkampf stehen, den der Schlaf doch nicht gewinnen kann. Nächtliche Gedanken scheinen immer auf dem Siegerpodest zu stehen, so abstrus sie uns tagsüber auch erscheinen mögen.

Um den nächtlichen Gedanken oder auch Sorgen nicht ausgeliefert zu sein, ist es gut, das System zu durchschauen, welches sich dahinter verbirgt. Was ich verstehe, kann ich ändern. Wer weiß, wie etwas funktioniert oder wie man selber funktioniert, kann am Rad der Mechanik drehen und liebgewonnene Gewohnheiten ändern. Oder lernen, sich früh genug um Bearbeitung, Verbesserung und Aufarbeitung zu kümmern und sich bewusst darauf einzulassen. Und das auch, um sinnlose, schweißtreibende, unbegründete, verhängnisvolle, Angst machende voluminöse Sorgen zu vermeiden.“

Anhand eines Diagramms machte Gretchen Hilbrands das verhängnisvolle Gedankenkarussell deutlich:

Es beginnt mit dem Gedanken „Ich bin immer allein“ und führt daraufhin zu den weiteren Gedanken, um schließlich bei dem Punkt  „Warum gibt es mich überhaupt noch?“ zu enden. Es gilt, dieses verhängnisvolle Karussell rechtzeitig zu stoppen, indem man sich hinterfragt, ob denn unsere Gedanken wirklich den Tatsachen entsprechen? Stimmt es, dass ich IMMER allein bin? Oder dass KEINER mich mag? Die Bibel sagt dazu: „Was ich dir jetzt rate, ist wichtiger als alles andere: Achte auf deine Gedanken, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben!“ (Sprüche 4,23)

Aber Gedanken lassen sich nicht einfach so wegdenken. Je mehr ich einen Gedanken unterdrücken will, umso stärker wird er! Und unser Handeln wird von unseren Gedanken bestimmt.

 Der Talmud sagt:

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Taten.
Achte auf deine Taten, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird zu deinem Schicksal.“

 Ich bin also kein Opfer meiner Gedanken, ich kann mein Gehirn durch mein Denken programmieren, im Positiven wie auch im Negativen. Dies hat auch massive Auswirkungen auf unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist.

Wir brauchen uns nicht von negativem Denken quälen zu lassen, denn Gott sagt in seinem Wort: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege. Denn wie der Himmel die Erde überragt, so sind auch meine Wege viel höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jesaja 55,8+9)

Und: „Herr, lass dir meine Worte und meine Gedanken gefallen! Bei dir bin ich geborgen, du bist mein Retter!“ (Psalm 19,15)

„Lasst euch von Gott eine neue Gesinnung schenken. Dann könnt ihr erkennen, was Gott von euch will.“ (Römer 12,2)

„Richtet eure Gedanken auf das, was gut ist und Lob verdient, was wahr, edel, gerecht, rein, liebenswert und schön ist.“ (Philipper 4,8-9)

Martin Luther sagte hierzu:
„Gedanken sind wie Vögel, die den Kopf umkreisen.
Das ist nicht zu verhindern.
Aber du kannst verhindern, dass sie Nester bauen in deinem Kopf.“

 Um sich darin zu üben, das Gedankenkarussell zu verlassen, ist das Studieren des Buches von Gretchen Hilbrands sehr zu empfehlen.

 Im nächsten Café+ am 11. April 2019 beschäftigt Klaus Loh sich mit dem Thema „Markt – Platz der vielen Möglichkeiten“. Darauf darf man auch wieder sehr gespannt sein!