Café + am 14.6.2018 Assuan – die Perle am Nil

Der Referent des heutigen Nachmittags, Joachim Paesler, hatte an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen und in Damaskus, also in der arabischen Welt, Theologie studiert. Derzeit arbeitet er als Pastor in Ägypten, im Rahmen der Organisation EMO (Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten e.V.). Aufgewachsen war er an der Elfenbeinküste, wo seine Eltern als Wycliff-Bibelübersetzer gearbeitet hatten.

Joachim Paesler lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Assuan, einer Großstadt in Ägypten. Die Arbeit dort begann bereits im Jahre 1900 und umfasst heute ein Krankenhaus und zwei ambulante Kliniken. Es erfolgen regelmäßige medizinische Einsätze in den Dörfern rundum nach dem Slogan: „Gottes Liebe für jedermann“ sowie Sprachkurse, Sporttage für Kinder und Hilfe bei der Dorfentwicklung in enger Zusammenarbeit mit den Bewohnern. Darüber hinaus unterhält die „EMO“ eine Tageseinrichtung für Kinder mit Behinderungen und einen christlichen Buchladen. Über 90 % des Teams besteht aus gläubigen Ägyptern.

In Ägypten hat es seit jeher Christen gegeben, die christliche Tradition wird bis auf das Wirken des Evangelisten Markus zurück geführt, der wohl nach Ägypten gereist war und dort das Evangelium gepredigt hatte. 600 Jahre später kam der Islam durch die Araber und dann die Türken ins Land. Heute gibt es 15 – 20 % Christen im Land, die allerdings den Moslems nicht in allem gleich gestellt sind. Es gibt gewisse Ämter, die Christen nicht ausfüllen dürfen. Aber man kann in der Gemeinde offen Bibel lesen und sagen, dass man Christ ist.

Bei Besuchen im Krankenhaus singen die Teams Lieder über die Größe Gottes, wobei sich oft auch die Gelegenheit ergibt, eine biblische Geschichte zu erzählen und man kommt ins Gespräch mit den Patienten.

Dennoch gibt es subtile Benachteiligungen von Christen, beispielsweise im Rechtswesen oder bei der Notenvergabe. In der Zeit des Arabischen Frühlings 2011 konnte man feststellen, dass ganz bewusst Schlüsselpositionen an Muslim-Brüder vergeben wurden. Viele Christen sind in dieser Zeit weggegangen. Die EMO jedoch erhielt viele Anfragen der Zusammenarbeit von einzelnen Christen und Gemeinden, weil viele gesagt haben: „Wenn es schwierig wird, möchte ich nicht nur deshalb leiden, weil meine Eltern Christ waren, sondern ich möchte ganz bewusst Zeugnis ablegen.“

Die Geschichte vom verlorenen Schaf wird im Orient gutverstanden: wie dieser Hirte die 99 Schafe zurück lässt, um dem einen nachzugehen, zeigt, um was es Jesus ging. Für Gott sind wir keine Nummer, sondern er kennt unsere Namen und ist bereit, die 99 Frommen stehen zu lassen, um uns nachzugehen. Gerade auch ägyptische Frauen werden von dieser Geschichte sehr angesprochen, wenn sie erkennen, dass Gott das auch für sie als Frauen getan hat. In Ägypten sind die Lebensbedingungen für Schafe so hart, dass sie ohne einen Hirten nicht überleben können. Und so ist es für die Menschen dort klar, dass sie ohne Gott überleben können. Wieviel Sehnsucht haben wir hier nach einem Hirten, nach dem guten Hirten?

Jesus schickte die Jünger wie Schafe unter die Wölfe. Was bedeutet das? Als Christen werden wir angefeindet, weil unser Meister angefeindet wurde. Manchmal sind Verfolgung oder Krankheit ein Segen, weil wir unser wieder neu nach Gott ausrichten. Nicht immer ist der gute Hirte sichtbar, aber er verliert uns dennoch nicht aus dem Blick. Er hält alles in seiner Hand, auch wenn wir in Schwierigkeiten sind. Und das gilt für die Christen in Ägypten ebenso wie für und hier in der westlichen Welt.