Café + am 15.8.2019 Der Wert der Freundschaft

Am 15. August 2019 öffnete wieder Café + – und viele Besucher kamen, um zunächst Kaffee, Kuchen, Gespräche zu genießen – sich an Klaviersoli, vorgetragen von Lydia Buchmüller, zu erfreuen und auch gemeinsam Lieder zu singen – um dann auf einen Vortrag von Pastor Thorsten Lehr, Gießen, zu hören.
In einer Vorbemerkung führte der Referent aus, dass wir Menschen als soziale Wesen, als Beziehungswesen von Gott geschaffen sind. Der Mensch ist in der Lage, Beziehungen zu anderen Menschen aufzunehmen.

Wir leben heute in einer total vernetzten Welt. Man kann viel mehr reisen als früher – man kann viel schneller und häufiger Kontakte zu anderen knüpfen.

Aber viele Menschen beklagen auch, dass solche Kontakte oft nur sehr oberflächlich sind.

So kann man etwa bei facebook in kurzer Zeit jede Menge „Freunde“ gewinnen, mit denen man aber dann kaum weiteren Kontakt hat. – Bei allen Begegnungsmöglichkeiten, die man heute hat, erlebt man doch, dass unsere Gesellschaft unter großer Vereinsamung leidet. So lebt in Deutschland jede 5, Person in einem Einzelhaushalt – und da zieht schnell Einsamkeit ein – daher ist das Thema „Freundschaft“ außerordentlich aktuell.

Dem Referenten ging es in seinem Vortrag aber nicht um die Frage, wie kann ich neue Freunde gewinnen – sein Thema war die Frage, wie man Beziehungen, die man bereits hat, vertiefen kann und welche Herzenshaltung nötig ist, damit aus oberflächlichen Beziehungen echte Freundschaften werden können.

Anhand der Berichte über David und Jonathan wurden dann fünf Herzenshaltungen ausgeführt, die zu echten Freundschaften führen.

Erstens: Gute Beziehungen sind verbindlich.

David und Jonathan schließen einen Freundschaftsbund (1.Samuel 18, 1 + 3) – sie übernehmen Verantwortung füreinander, sie verpflichten sich, für den anderen da zu sein – nicht nur miteinander Spaß zu haben, sondern gerade auch in schwierigen Situationen dem anderen beizustehen.

Jonathan wurde kurz darauf hart auf die Probe gestellt. Er erfuhr, dass sein Vater Saul, der noch König von Israel war, seinen Freund David töten wollte. Er warnt David, obwohl er damit sein eigenes Leben riskiert.

Gute Beziehungen sind verbindlich – auch wenn es etwas kostet.

Als neueres Beispiel, sozusagen als David und Jonathan des Wilden Westens, wurden Old Shatterhand und Winnetou angeführt, diese fiktiven Gestalten von Karl May. –

Wir brauchen heute mehr positive Beispiele für solche verbindlichen Beziehungen, solche Freundschaften – Menschen, die sagen: Ich stehe zu dir, in guten wie in schwierigen Zeiten!

Solche Freundschaften brauchen Zeit, sie müssen wachsen, aber sie beginnen mit einer Herzenshaltung, der Bereitschaft, sich auf den anderen einzulassen.

Zweitens: Gute Beziehungen sind großzügig und suchen nicht den eigenen Vorteil.

Jonathan gab David seinen Rock, seine Rüstung, sein Schwert, seinen Bogen und seinen Köcher (1.Sam 18, 3 + 4).

Jonathan lässt sich seine Freundschaft zu David etwas kosten – diese wertvollen Geschenke sind ein Ausdruck seiner Großzügigkeit. Dazu kommt die tiefe Symbolik: Jonathan als Königssohn übergibt die Zeichen seiner Würde an David und macht damit deutlich, dass David der zukünftige König sein soll – so wie Gott es vorgesehen hat. Jonathan verzichtet auf diese zukünftige Königswürde zugunsten Davids.

Wenn es in freundschaftlichen Beziehungen nur darum geht, dass ich etwas davon habe, dann wird es schwierig. Wie viele Freundschaften sind schon daran zerbrochen, dass Eifersucht aufkam, Missgunst oder Machterhalt eine Rolle spielte.

Gute Beziehungen sind großzügig und suchen nicht den eigenen Vorteil.

Drittens: Zu guten Beziehungen gehören auch gute Worte

Und Jonathan redete das Beste über David mit seinem Vater Saul (1. Samuel 19,4)..

Wenn man über andere Menschen redet, wird doch oft das Negative ausgesprochen. David hatte sicher auch Fehler und Schwachstellen, aber Jonathan redete nur das Beste über ihn.

Wie viele Freundschaften sind schon zerbrochen, weil man schlecht übereinander geredet hat. Im NT wird an einem drastischen Bild verdeutlicht, was negative Worte anrichten können – sie können einen ganzen Waldbrand hervorrufen.

Unsere Worte sollen Feuer löschen – nicht entflammen.

Unsere Worte sollen heilen – nicht verletzen.

Unsere Worte sollen gute Worte sein – nicht schlechte.

Viertens: Gute Beziehungen überwinden Grenzen

Jonathan, der Königssohn, begegnet David, dem Hirtenjungen – der am Hof ein Bediensteter war. Hier prallen Welten aufeinander. Aber die unterschiedlichen sozialen Hintergründe waren kein Hindernis für eine tiefe Freundschaft.

Freundschaft überwindet Grenzen, ob es Hautfarbe ist oder Alter oder gesellschaftliche Position oder Herkunft – gute Beziehungen überwinden Grenzen, wenn man sich bewusst darauf einlässt.

Fünftens: Freundschaft ermutigt und stärkt den anderen im Glauben.

David erlebte etwas später eine sehr schwere Zeit. Er musste vor Saul fliehen – aber er war doch der von Gott berufene zukünftige König – aber jetzt musste er in die Berge flüchten und sich in Höhlen verstecken, weil Saul ihm nach dem Leben trachtete.

Kennen wir das auch? Das Leben nimmt plötzlich einen ganz anderen Verlauf, als man erwartet hat – als man auch von Gott zugesagt bekommen hatte.

David musste wie ein Verfolgter in der Wüste verstecken, anstatt sich auf seine Aufgabe als zukünftiger König vorbereiten zu können.

Man kann sich vorstellen, dass er auch von Zweifeln geplagt war – auch von Zweifeln an Gottes Zusagen. Wie lange muss ich denn noch warten? Hat Gott mich vergessen? Wird er überhaupt noch zu seinen Zusagen stehen?

In dieser schweren Lebenskrise Davids heißt es dann in 1.Samuel 23, 16ff :

Da machte sich Jonathan, der Sohn Sauls auf, und ging hin zu David … und stärkte sein Vertrauen zu Gott

Jonathan hatte empfunden, dass David gerade jetzt dringend Ermutigung und Stärkung brauchte. Er verließ den Königshof, sucht David in den Bergen auf und stärkte ihn.

Das ist Freundschaft, zu spüren, wann der andere eine helfende Hand braucht, ein ermutigendes Wort, eine Umarmung, einen Brief, einen Anruf.

Freundschaft ermutigt und stärkt den anderen im Glauben.

Vielleicht verzweifeln auch wir manchmal in ausweglosen Situationen, daran dass Gott uns noch helfen kann, an seinen Zusagen. Dann wünschen wir uns einen guten Freund, der uns im Glauben stärkt und uns zusagt: Fürchte dich nicht! Gott wird seinen Plan mit dir ausführen. Du kannst ihm gerade jetzt vertrauen!

Als Christen haben wir großen den Vorteil, dass wir den besten aller Freunde kennen dürfen. Von ihm singen wir „Welch ein Freund ist unser Jesus“. Er ist nicht nur ein Freund, der uns tröstet – er ist auch der allmächtige Gott, der uns in jeder Lebenslage auch wirklich helfen kann. Ihm können wir voll vertrauen, noch mehr als jedem Menschen.

Aber als Christen dürfen wir auch Ausschau halten nach Menschen, die sich nach einem Freund sehnen, die Hilfe brauchen, die wir in ihrem Glauben stärken können, denen wir in schwierigen Lebenslagen zur Seite stehen dürfen.

Gott möge es uns schenken, dass wir solche Freunde haben und dass wir für andere solche Freunde sein können.

Mit Dank an den Referenten, einer Einladung zum nächsten Café + am 17. Oktober 2019 um 15 Uhr, dem Wort zum Donnerstag und einem Gebet wurden die Besucher durch Ruth Robles verabschiedet.