Café+ am 14.2.2019 DIe Macht der Gedanken

Cafe+ am 14.2.2019 mit Gretchen Hilbrands Vieles in unserem Alltag wird durch unsere Gedanken bestimmt. Oft ist uns nicht klar, welche Macht unsere Gedanken über uns haben und dass wir dieser Macht aber nicht hilflos ausgeliefert sind. Wir können sie beeinflussen. Wie, das erklärte die Referentin, Gretchen Hilbrands, an diesem Nachmittag im „Café+“ und als Grundlage ihres Vortrags diente ihr neues Buch „Schluss mit dem Gedankenkarussell – Wie Sie innerlich zur Ruhe kommen“ (Brunnen-Verlag Gießen, 2019): Hinführend zum Thema zitierte Frau Hilbrands den Anfang ihres Buches: Als ich eine junge Mutter war Es ist ein Abend, wie sie in meiner Situation als junge Mutter und Ehrenamtliche so typisch sind. Zwei, manchmal drei oder vier Abende in der Woche sind mit Sitzungen, Veranstaltungen, Frauentreffs, Chor, Elternabenden oder Ähnlichem ausgefüllt. Natürlich nicht alle jede Woche, aber zwei Abende die Woche bin ich mindestens außer Haus. Aus dem vollem Alltag hinein in die Abendveranstaltung. Hier treffen sich Menschen, die ähnliche Anliegen und Interessen haben oder deren Kinder in derselben Schule oder Klasse sind. Hier wird erlebt, geredet, kontrovers diskutiert. Manche Äußerung fällt, manche Entscheidung wird getroffen. Viele beteiligen sich an der Diskussion, viele äußern sich, ich auch. Todmüde falle ich zu Hause ins Bett und wache nachts mit Gedanken auf, die mich sofort hellwach werden lassen. Ist die Entscheidung, die wir getroffen haben, richtig? War der Ansatz, den wir gewählt haben, korrekt? Warum hat XY dies und das gesagt? Warum hat er mich dabei so merkwürdig angesehen? Warum waren alle plötzlich still, als ich meine Meinung geäußert habe? Ist das, was ich denke, was ich sage, noch gesellschaftlich aktuell? Wollen die anderen das überhaupt? Bin ich in den Augen der anderen skurril? Merkwürdig? Habe ich überholte Ansichten? Oder zu fortschrittliche? Habe ich zu viel gesagt? Zu wenig? Das Falsche? Das Richtige? Was haben die anderen nur über mich gedacht, als ich … Gedanke über Gedanke stapelt sich auf, wird voluminöser, schweißtreibender, raubt mir den Schlaf. Ich denke. Ich kann nicht mehr einschlafen. Stunde um Stunde verrinnt, macht mich immer ärgerlicher, weil ich meinen Schlaf brauche, er sich aber nicht erzwingen lässt. Ich stehe auf. Werde müde, versuche weiterzuschlafen. Fast gelingt es mir einzuschlafen, doch der erste Gedanke erkämpft sich erneut heimtückisch seinen Platz … und wieder bin ich hellwach. Und mein Gedankenkarussell setzt sich erneut in Bewegung.  Mach dir doch nicht so viele Gedanken „Mensch, mach dir doch nicht so viele Gedanken!“ Wer hat das noch nicht gesagt bekommen oder diesen Ratschlag schon an andere verteilt? „Mach dir doch nicht …“ Der Rat ist schnell ausgesprochen, zumindest, wenn es um andere geht. Es fällt uns sofort auf, wenn bei anderen die Gedanken auf Karussellfahrt gehen und manches Mal die Sachlichkeit auf der Strecke bleibt. Das Kreisen der Gedanken ist vielen wohlvertraut. Insbesondere nachts finden sich zahlreiche Mitreisende im Gedankenkarussell. Wir Menschen machen uns nun mal Gedanken. Und das ist auch gut so. Unser Leben will gelebt, Entscheidungen wollen getroffen werden. Wir brauchen Antworten und Lösungen für den Alltag, für das Heute und das Morgen. Die Zukunft will gestaltet werden, wohlüberlegt sein. Vorsorge benötigt zielorientiertes Handeln, welches auf vorherigem Nachdenken basiert. Gespräche wollen gedanklich vorbereitet werden, gerade dann, wenn sie Konfliktpotenzial enthalten. Probleme stellen sich uns in den Weg, wir müssen sie durchdenken, um sie bearbeiten zu können. Wehe dem, der leichtsinnig und unbedacht in den Tag hinein lebt und sich erst Gedanken macht, wenn sich die Probleme aufgetürmt haben und das Denken vom Handeln-Müssen überrollt wird. Denken ist also wichtig und richtig. Denken muss und darf sein. Nur nachts nicht, wenn wir um unseren sauer verdienten Schlaf mit den Gedanken im regelrechten...

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Café + am 14.6.2018 Assuan – die Perle am Nil

Der Referent des heutigen Nachmittags, Joachim Paesler, hatte an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen und in Damaskus, also in der arabischen Welt, Theologie studiert. Derzeit arbeitet er als Pastor in Ägypten, im Rahmen der Organisation EMO (Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten e.V.). Aufgewachsen war er an der Elfenbeinküste, wo seine Eltern als Wycliff-Bibelübersetzer gearbeitet hatten. Joachim Paesler lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Assuan, einer Großstadt in Ägypten. Die Arbeit dort begann bereits im Jahre 1900 und umfasst heute ein Krankenhaus und zwei ambulante Kliniken. Es erfolgen regelmäßige medizinische Einsätze in den Dörfern rundum nach dem Slogan: „Gottes Liebe für jedermann“ sowie Sprachkurse, Sporttage für Kinder und Hilfe bei der Dorfentwicklung in enger Zusammenarbeit mit den Bewohnern. Darüber hinaus unterhält die „EMO“ eine Tageseinrichtung für Kinder mit Behinderungen und einen christlichen Buchladen. Über 90 % des Teams besteht aus gläubigen Ägyptern. In Ägypten hat es seit jeher Christen gegeben, die christliche Tradition wird bis auf das Wirken des Evangelisten Markus zurück geführt, der wohl nach Ägypten gereist war und dort das Evangelium gepredigt hatte. 600 Jahre später kam der Islam durch die Araber und dann die Türken ins Land. Heute gibt es 15 – 20 % Christen im Land, die allerdings den Moslems nicht in allem gleich gestellt sind. Es gibt gewisse Ämter, die Christen nicht ausfüllen dürfen. Aber man kann in der Gemeinde offen Bibel lesen und sagen, dass man Christ ist. Bei Besuchen im Krankenhaus singen die Teams Lieder über die Größe Gottes, wobei sich oft auch die Gelegenheit ergibt, eine biblische Geschichte zu erzählen und man kommt ins Gespräch mit den Patienten. Dennoch gibt es subtile Benachteiligungen von Christen, beispielsweise im Rechtswesen oder bei der Notenvergabe. In der Zeit des Arabischen Frühlings 2011 konnte man feststellen, dass ganz bewusst Schlüsselpositionen an Muslim-Brüder vergeben wurden. Viele Christen sind in dieser Zeit weggegangen. Die EMO jedoch erhielt viele Anfragen der Zusammenarbeit von einzelnen Christen und Gemeinden, weil viele gesagt haben: „Wenn es schwierig wird, möchte ich nicht nur deshalb leiden, weil meine Eltern Christ waren, sondern ich möchte ganz bewusst Zeugnis ablegen.“ Die Geschichte vom verlorenen Schaf wird im Orient gutverstanden: wie dieser Hirte die 99 Schafe zurück lässt, um dem einen nachzugehen, zeigt, um was es Jesus ging. Für Gott sind wir keine Nummer, sondern er kennt unsere Namen und ist bereit, die 99 Frommen stehen zu lassen, um uns nachzugehen. Gerade auch ägyptische Frauen werden von dieser Geschichte sehr angesprochen, wenn sie erkennen, dass Gott das auch für sie als Frauen getan hat. In Ägypten sind die Lebensbedingungen für Schafe so hart, dass sie ohne einen Hirten nicht überleben können. Und so ist es für die Menschen dort klar, dass sie ohne Gott überleben können. Wieviel Sehnsucht haben wir hier nach einem Hirten, nach dem guten Hirten? Jesus schickte die Jünger wie Schafe unter die Wölfe. Was bedeutet das? Als Christen werden wir angefeindet, weil unser Meister angefeindet wurde. Manchmal sind Verfolgung oder Krankheit ein Segen, weil wir unser wieder neu nach Gott ausrichten. Nicht immer ist der gute Hirte sichtbar, aber er verliert uns dennoch nicht aus dem Blick. Er hält alles in seiner Hand, auch wenn wir in Schwierigkeiten sind. Und das gilt für die Christen in Ägypten ebenso wie für und hier in der westlichen...

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Café + am 5.10.2017 Johann Sebastian Bach

Ein so richtig herbstlicher Tag, dieser 5. Oktober 2017: Regen, Sturmböen, die Blätter fallen… Umso gemütlicher ist es, sich an einem solchen Tag zu treffen, um gemeinsam bei Kaffee und Kuchen etwas Neues über den Großmeister der Musik, Johann Sebastian Bach, zu erfahren und sich von dessen Musik bezaubern zu lassen. Dafür war mit Dr. Walter Hilbrands ein äußerst kompetenter Referent eingeladen worden. Dr. Hilbrands, ein ausgezeichneter Organist und Orgelkenner, der darüber auch schon vieles veröffentlicht hat, ist Theologe und arbeitet an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) in Gießen als Dozent und Dekan. Johann Sebastian Bach hat in seinen Oratorien und Kantaten regelrechte Bibelauslegungen betrieben. 1685 in Eisenach als achtes Kind geboren, wurde er nicht als ein Wunderkind angesehen, denn die Familie Bach war schon seit sechs Generationen als Musiker bekannt gewesen. Auch Bachs Nachfahren sind vielfach Musiker geworden. Bereits mit zehn Jahren wurde Johann Sebastian Bach Vollwaise und kam zu seinem älteren Bruder, Johann Christoph, einem Klavierspieler, Organisten und Schüler von Johann Pachelbel. Bach war bereits als Junge in Sachen Musik außerordentlich lernbegierig. Zudem besuchte er eine lutherische Klosterschule, in der Musik sehr gefördert wurde. Mit 18 Jahren hat Bach bereits eine Organistenstelle inne, auch seine berühmte „Toccata in D-moll“ entstand in dieser Zeit. Er war als Organist und gefürchteter Orgelprüfer bekannt. In Lübeck hatte er sich bei Dietrich Buxtehude fortgebildet. 1707 zog Bach nach Mühlhausen um, wo er Maria Barbara heiratete. Dieser Ehe entstammten sieben Kinder, von denen vier in jungen Jahren verstarben. Dort und später in Weimar schrieb er viele seiner Kantaten, Choräle, Arien und vertonte Bibeltexte. In Bachs Musik wird auch sein Glaube deutlich. Er sieht in die Schöpfung und sieht dort alles wunderbar gemacht, von großer Harmonie geprägt, auch wenn immer wieder mal Dissonanzen anklingen. Bach war überzeugt, dass Gott die Schöpfung gut, schön, wohlgeordnet und zweckmäßig gemacht hat. Später ging es nach Leipzig an die Thomaskirche, wo er Musikdirektor wurde und 27 Jahre dort blieb. Auch dort schrieb er viele Kantaten und fünf Passionen. Hier heiratete er Anna Magdalena und die beiden bekamen 13 Kinder, von denen nur sechs älter geworden sind. Bach selbst ist mit 65 Jahren gestorben. Er hinterließ nicht viel Geld, aber 19 Musikinstrumente und eine große theologische Bibliothek. Die Musik und die Texte des Weihnachtsoratoriums spiegeln in besonderer Weise Bachs tiefen Glauben wider: „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage, rühmet, was heute der Höchste getan! Lasset das Zagen, verbannet die Klage, Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an! Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören, Lasst und den Namen des Herrschers verehren!“ „Wie soll ich Dich empfangen, und wie begegn ich Dir“ wurde als Choral mit eingefügt, damit auch die Zuhörer mitsingen konnten und auch heute noch können. Das schlägt die Brücke zu uns selbst: Wie gehen wir damit um, dass Gott Mensch wird und wie kann er bei uns einkehren? Interessant ist, dass dieser Choral nach der Melodie „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ gesungen wird, also nach einem Passionslied! Bereits in der Krippe beginnt der Leidensweg Jesu. „Krippe und Kreuz sind aus einem Holz“ sagt man. Gott wird den Menschen gleich und kennt die Tiefen des Lebens. Die wunderbare Musik noch im Ohr kann man sich schon auf das nächste Café+ im Advent am 7.12. freuen. Zur Verabschiedung gab es noch das Wort zum Donnerstag mit auf den Weg: „ Die Freude am HERRN ist eure Stärke“ (Nehemia...

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Zufall. Was ist das? Café + am 2. Februar 2017

Café + am 2. Februar 2017  15 Uhr Am Donnerstag, 2. Februar 2017, war es wieder so weit: Café + öffnete um 15 Uhr und Doris Loh konnte vor einem vollen Haus die Gäste im Namen des Café + Teams willkommen heißen. Nach einer Zeit mit Kaffee, Tee, Kuchen und Schnittchen – und manchen guten Gesprächen – kam dann das +, ein Vortrag von Klaus Loh zum Thema „Zufall. Was ist das?“ Der Referent machte zunächst an Beispielen aus dem Alltag deutlich, was wir alles als Zufall einordnen – dabei gibt es manches, hinter dem Regeln und Gesetzmäßigkeiten stehen, so dass man eigentlich gar nicht von Zufall sprechen kann. Hier ein Auszug aus dem Vortrag des Referenten: In meiner aktiven Schulzeit habe ich es schon mal erlebt – allerdings sehr, sehr selten – dass ein Schüler überhaupt kein Verständnis für Mathematik hatte – und dann lieferte dieser schlechte Mathematik-Schüler plötzlich die genau richtige Lösung einer schwierigen Aufgabe – überraschend, unerwartet, man weiß nicht, wie er darauf gekommen ist – Zufall? Oder denken wir an all die Würfel-Spiele. Ein Würfel hat in der Regel 6 Seiten – d.h. man kann bei einem Wurf eine der Ziffern 1 bis 6 oben liegen sehen – wenn die Würfel ganz gleichmäßig gearbeitet sind, kann man nicht vorhersagen, welche Ziffer beim nächsten Wurf oben liegt – ein Zufallsergebnis. Es gibt in unserem Alltag eine Menge Dinge, die uns zufällig vorkommen – weil wir keine Regel, keine Gesetzmäßigkeiten entdecken können. Das geht schon bei manchen Zahlen in der Mathematik so – eines der bekanntesten Beispiele ist die Zahl Pi, die sogenannte Kreiszahl, in der Kurzform 3,14, die man braucht, um z.B. den Umfang eines Kreises zu berechnen. Wenn man versucht, diese Zahl genau zu berechnen, stellt man fest, dass man eigentlich nie an ein Ende kommt. Bei den ersten hundert Nachkommastellen findet man schon heraus, dass es keine Regelmäßigkeiten, keine periodischen Wiederholungen gibt – und das geht auch bis ins Unendliche so weiter. Im Jahr 2016 hat man mit einem außerordentlich schnellen Computer 105 Tage lang gerechnet und kam dabei auf 22.459.157.718.361 Stellen nach dem Komma – aber man weiß, dass die Zahl eigentlich noch weiter gehen muss. Die einzelnen Ziffern scheinen doch recht zufällig aneinander gereiht zu sein – ohne eine erkennbare Regelmäßigkeit. Inzwischen machen sich Gedächtnisspezialisten einen Sport daraus, möglichst viele dieser Nachkommastellen auswendig zu lernen und erreichen dabei enorme Leistungen. Im Guinnes Buch der Rekorde wird erwähnt: Der Inder Rajveer Meena ist offizieller Weltrekordhalter mit bestätigten 70.000 Nachkommastellen, die er am 21. März 2015 fehlerfrei in einer Zeit von 10 Stunden aufsagte. Inzwischen soll es jemand sogar auf 100.000 Stellen gebracht haben. Alle diese Zahlen lassen keine Gesetzmäßigkeit erkennen – sie sehen wie zufällig aneinander gereiht aus – aber ist das tatsächlich Zufall? Es steht hinter dieser Zahlenreihe ja ein Berechnungsprogramm – also man kann diese Zahlenfolge berechnen – und es wird bei jeder Berechnung dasselbe Ergebnis herauskommen – es werden immer dieselben Zahlen in derselben Reihenfolge erscheinen – also doch eigentlich nichts Zufälliges. In der Physik kennt man den Begriff „Chaosforschung“ – ich kann mich noch an mein Physikstudium erinnern (schon einige Jahrzehnte her), als uns ein sogenanntes Chaospendel vorgeführt wurde – ein Doppelpendel, bei dem das eine Pendel an dem anderen hängt, beide Pendel schwingen hin und her – und dann aus unerklärlichen Gründen ändert das eine Pendel plötzlich die Richtung – und das passierte irgendwie recht zufällig. Das war vor vielen Jahren – aber wie sieht es heute mit einer Erklärung für dieses Phänomen aus: Ein Bericht dazu aus heutiger Zeit: „Man lässt das Pendel nun bei verschiedenen Anfangsbedingungen los und...

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Was war der Stern von Bethlehem? Café + am 10.11.2016

Ruth Robles begrüßte die über 100 Gäste und lud zunächst zu Kaffee, Kuchen und Schnittchen  und zu guten Gesprächen ein. Als + konnten wir dann einen Vortrag von Prof. und Dir. a.D. Dr.-Ing. Werner Gitt aus Braunschweig zum Thema  „Was war der Stern von Bethlehem?“ hören. Der Referent war lange Jahre Direktor und Professor an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig  und ist bekannt geworden durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen in dem Gebiet Wissenschaft und Glaube. Er ging zunächst auf die verschiedenen Theorien zum Stern von Bethlehem ein, die ja regelmäßig in der Vorweihnachtszeit wieder veröffentlicht und diskutiert werden. War die Erscheinung, die in der Bibel berichtet wird, etwa ein Komet? Kometen wurden auch im Altertum schon sorgfältig beobachtet und entsprechend dokumentiert. So war ein Komet im Jahre 12 vor Christus zu sehen, und dann zum nächsten Mal im Jahre 66 nach Christus –außerdem galten Kometen seit jeher als Unheilbringer, also schlecht vorstellbar als Ankündigung des Retters der Welt. War der Stern von Bethlehem vielleicht eine Supernova, ein durch die Explosion eines Riesensternes plötzlich auftretendes helles Himmelszeichen? Auch hier gibt es in der Antike Aufzeichnungen über solche Erscheinungen, allerdings nur aus den Jahren 134 vor Christus und 173 nach Christus. Auch das passt nicht mit dem Erscheinen des Sterns von Bethlehem überein. Die heute bevorzugte Erklärung beschreibt den Stern von Bethlehem als eine Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn, die damals im Jahr 7 vor Christus stattgefunden hat. Aber auch hier sprechen die Fakten gegen eine Verbindung mit dem Stern, den die Weisen aus dem Morgenland gesehen haben – so z.B. die Dauer der Sichtbarkeit der Konjunktion dieser beiden Planeten und die Tatsache, dass man sie von der Erde aus eigentlich immer noch als zwei Sterne beobachten konnte. Ein Hauptargument gegen alle uns bekannten Himmelskörper ist allerdings die Drehung der Erde – die Erde dreht sich von West nach Ost, d.h. alle Himmelskörper gehen im Osten auf und dann im Westen unter. Die Weisen sahen allerdings den Stern über viele Tage immer in Richtung Westen – tags und nachts. Das macht es unmöglich, einen uns bekannten Himmelskörper mit dem Stern von Bethlehem zu identifizieren. Gitt deutete daher diese in der Bibel berichtete Erscheinung als ein einmaliges, von Gott eingerichtetes Reisezeichen, das die Geburt Jesu den Weisen aus dem Osten ankündigen sollte und sie zu dem Ort seiner Geburt führen konnte. Gitt erläuterte dann die verschiedenen Arten, wie Gott die Ankunft des Messias, des Retters Jesus Christus angekündigt hat.Bereits im Alten Testament findet man viele Voraussagen auf die Geburt Jesu – im Neuen Testament sprechen die Engel Gottes zu Maria, zu Josef und zu den Hirten – und die Hirten verbreiten die Nachricht von dem in die Welt gekommenen Erlöser in der Bevölkerung Die Weisen aus dem Osten hatten nun den besonderen Auftrag, auch der politischen und religiösen Führungsschicht in Juda die Geburt des schon lange erwarteten Messias anzukündigen. Aber obwohl gerade die Schriftgelehrten zwar herausfanden, dass Jesus in Bethlehem geboren werden sollte (wie es einige hundert Jahre vorher bereits angekündigt worden war), hielten sie es nicht für nötig, selbst zu dem Kind zu gehen und ihm die Ehre zu erweisen, so wie es die Weisen aus dem Osten dann taten. Gitt wies darauf hin, dass auch heute viele Menschen von Jesus etwas wissen, aber dass sie es leider auch nicht für nötig halten, sich einmal persönlich an Jesus zu wenden, obwohl das der einzige Weg ist, um einmal in den Himmel kommen zu können. Vom Stern von Bethlehem kann man also lernen, dass es sich um ein einmaliges Reisezeichen für die Weisen aus dem Osten (vermutlich Babylon) handelte, weil es...

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Gnade – warum wir sie so nötig brauchen

Café+ am 8. September 2016 mit Professor Dr. Stephan Holthaus: „Gnade – warum wir sie alle so bitter nötig haben“ Wieder einmal gab es neben einem reichhaltigen Kuchen- und Schnittchen-Buffet im „Café+“ einen gehaltvollen Vortrag zum Thema „Gnade“. Referent war der Rektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Professor Dr. Stephan Holthaus. Ebenso herzlich wie professionell moderiert wurde die Veranstaltung von Doris Loh und sehr gerne sangen die Gäste auch bei einigen Liedern mit. Zu Beginn seines Vortrags erläuterte Professor Holthaus am Beispiel des englischen Sklavenhändlers John Newton, welche Auswirkungen Gnade in einem Leben haben kann. Newton war mit einem seiner Sklavenschiffe unterwegs, als ein heftiger Sturm aufkam. Newton betete zum ersten Mal in seinem Leben zu Gott, dass dieser den Sturm stillen möge. Wenn Gott das tun würde, dann würde Newton ihm sein ganzes Leben weihen. Der Sturm legte sich sofort und er machte sein Versprechen wahr und weihte sein Leben Gott. Newton wurde später einer der berühmtesten Pastoren Englands und Dichter des weltbekannten Liedes „Amazing Grace“ („Erstaunliche Gnade“). In diesem Lied beschrieb Newton, was er in diesem Sturm erlebt hatte. Die erste Strophe lautet: „Amazing Grace, how sweet the sound, that saved a wretch like me.“ „Erstaunliche Gnade, … diese Gnade hat mich („wretch“) gerettet“ „Wretch“ bedeutet: Halunke, Schuft, Ganove. Die Rettung dieses Halunken war so spektakulär, dass dieses Lied entstand, welches heute noch weltweit in Kirchen und auch im öffentlichen Raum gesungen wird! Aber was ist überhaupt Gnade? Gnade bedeutet: gut zu jemandem sein, zu dem man eigentlich nicht gut sein müsste, der es eigentlich nicht verdient hat. Im deutschen öffentlichen Sprachgebrauch kommt das Wort Gnade so gut wie nicht vor, mit einer Ausnahme: „Begnadigung“. Dabei wird ein Verurteilter freigelassen, ohne dass dieser es verdient hat. In kirchlichen Kreisen dagegen ist Gnade ein häufig verwendeter Begriff. Warum? Weil Gnade eines der zentralen Worte der Bibel ist. Bereits im Alten Testament wendet Gott sich gnädig seinem Volk Israel zu. Im Neuen Testament kommt dieses Wort sogar 150-mal vor, hauptsächlich bei dem Apostel Paulus. Die Lebensgeschichte des Paulus ähnelt stark der Geschichte von John Newton. Paulus hatte den Herrn Jesus in einer ganz außergewöhnlichen Weise erlebt: Er war ein blutrünstiger Christenverfolger gewesen, bis Jesus ihm erschienen und Paulus ihm sein Leben gab. So wurde aus diesem Apostel der Christenverfolger der Apostel der Gnade. Durch die Briefe des Paulus zieht sich immer wieder der Gedanke von Gottes großer Gnade. Gnade ist auch einer der großen Unterschiede des christlichen Glaubens zu allen anderen Religionen. In den anderen Religionen kommt Gnade so gut wie nicht vor. Der Kern des christlichen Glaubens ist die Gnade Gottes, dieser Gedanke, dass Gott gut zu uns ist, dass er nur das Beste für uns will. Gnade ist etwas, was man nur geschenkt bekommt. Wenn uns jemand etwas schenkt, überlegen wir oft gleich, was wir zurück schenken sollen. Aber Gnade bekommen wir nur mit leeren, nie mit vollen Händen! Wir müssen als Bettler zu Gott kommen, wir können nichts vorweisen. Und dann erweist Gott uns Gnade. Diese Welt heute ist gnadenlos geworden. Wir müssen für alles bezahlen, müssen alles selbst verdienen. Die Gnadenlosigkeit dieser Welt zeigt sich dann, wenn wir für die Gesellschaft nichts Produktives mehr leisten können, wenn wir schwach und krank geworden sind. Diese Gnadenlosigkeit ist ein ganz großes Problem unserer Zeit und eine Folge der zunehmenden Gottlosigkeit. Aber was ist mit den Christen: Sind auch sie nicht manchmal gnadenlos? Wenn jemand seine Schuld bekennt, dann muss ihm sofort vergeben werden und er soll sich nicht erst bewähren müssen. So macht Gott es auch mit uns: Wenn wir IHM unsere Schuld bekennen und uns davon...

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