Warum glauben?

Einleitung Ist es vielleicht eine Notwendigkeit? Müssen Menschen an irgendwas glauben? Irgendwer sagte einmal »Menschen sind hoffnungslos religiös«. Sind sie das tatsächlich? Gibt es so etwas, wie ein »Glaubensgen«, das von Generation zu Generation vererbt wird? Ist das ein Verhaltensmuster, das wir von unseren Eltern und Großeltern unbewusst übernehmen? Der Kommunismus sah in der Religion »Opium für das Volk«, eine Droge, mit dessen Hilfe die herrschende Klasse das einfache Volk unter Kontrolle hielt. Glaube als Ventil und Betäubungsmittel? Ein Beispiel: Ausfall eines Heizkraftwerks Mitte der Achtziger in der DDR. Beruhigungsdroge: Westfernsehen. Der Glaube hat unzählige Menschen zu Höchstleistungen angespornt. Der Glaube an eine heilige Sache hat Massen radikalisiert, hat Menschen zu großen Opfern bereitgemacht. Man denke nur an die heiligen Krieger des Islam, die ohne zu zögern bereit waren, ihr Leben aufs Spiel zu setzen um Allahs Willen. Nicht anders verhielten sich die Kreuzritter des Mittelalters. Sie glaubten an eine heilige Berufung und verübten schreckliche Gräueltaten im Namen Jesu. Begriffsklärung Wenn wir über Glauben reden, meinen wir ganz unterschiedliche Dinge. Ich könnte beispielsweise sagen: „Ich glaube, dass morgen das Wetter schön werden wird.“ Oder: „Ich glaube, dass Borussia Dortmund Deutscher Meister wird.“ Das wäre etwas völlig anderes, als wenn ich sagen würde: „Ich glaube, dass Bäume beseelte Wesen sind und Geister in ihnen leben“ oder „Ich glaube an das Tageshoroskop.“ Im Fall des Wetters würde mein Glaube auf Beobachtungen und Aussagen des Wetterdienstes beruhen. – Wir alle wissen, dass Metrologen nicht auf Liegestühlen gebettet Wolken am Himmel zählen und Rückschlüsse für das morgige Wetter ziehen. Wir wissen auch, dass ihre Wetterprognosen nicht von Bauernregeln bestimmt werden. Vielmehr sind es langjährige Wetterbeobachtungen, kombiniert mit komplexen Computersimulationen, die hinter dieser Aussage „Ich glaube, dass morgen das Wetter schön werden wird“ stehen. Und trotz aller Mathematik, langjährigen Erfahrung und aufwändigen Grafiken, kann es passieren, dass mein Glaube an die Kunst der Vorhersage mich irreleitet und ich morgen – weil ich der Wettervorhersage geglaubt und den Regenschirm zu Hause gelassen habe – nass werde. Zu glauben, dass Kickers Offenbach oder der VfB Aßlar DFB-Pokalsieger 2013 werden ist Unsinn, weil entscheidende Voraussetzungen fehlen. Mein Glaube und die tatsächlichen Verhältnisse passen nicht zueinander. Der Glaube an beseelte, geistbewohnte Bäume – man nennt das Aberglauben – fällt aufgeklärten Menschen schon deutlich schwerer. Trotzdem ist der Aberglaube in Deutschland weiter verbreitet, als wir das für möglich halten. Ich behaupte einmal, dass heute mehr Menschen dem Tageshoroskop Glauben schenken, als der Fähigkeit von Politikern, die aktuelle Euro-Krise zu lösen. Glaube ist also nicht gleich Glauben. Der Künstler Luis Salvador Carmona (1708–1767) hat ein, wie ich finde, treffendes Kunstwerk in Kalkstein gehauen, dass »Glauben« plastisch werden lässt. Diese Büste ist in der Königlichen Akademie der Schönen Künste von San Fernando in Madrid zu besichtigen. Wir sehen ein menschliches Gesicht, über das ein dünner Schleier geworfen ist. Eine klare Sicht der Dinge ist damit unmöglich. In finde es immer wieder erhellend, wenn man der Bedeutung eines Wortes sprachgeschichtlich nachgeht. Glauben im Germanischen: »leubh« heißt so viel wie „begehren, lieb haben, für lieb erklären, gutheißen, loben“, aber auch „sein Herz (auf etwas) setzen“. Im Hebräischen wird meist die Vokabel »aman« verwendet: „sich an etwas festmachen“. Daher kommt auch das Wort Amen, das wir am Ende unserer Gebete formulieren. Warum glauben? Ich bin der Auffassung, dass Glaube im biblischen Sinne viel weiter reicht, als meine persönlichen religiösen Bedürfnisse. Glaube hat etwas zu tun mit einer Geschichte, die viel größer ist, als jeder von uns. Es geht um die große Geschichte Gottes mit seiner Schöpfung. Warum glauben? Meine erste Antwort lautet: Weil wir auf ein Gegenüber angelegt sind. Wir sind das Werk eines...

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Gott schweigt nicht

Gottesdienst am 15. Juli 2012 mit Daniel Lanz Gott spricht auf vielfältige Weise – so bezeugen es immerhin viele Menschen, die seine Stimme gehört haben. Einige haben erlebt, dass Gott durch einen Traum oder eine Vision zu ihnen gesprochen hat. Andere berichten davon, wie sie Gottes Geist beim Beten oder im Alltag leitet und auf bestimmte Gedanken bringt. Und doch scheint es manchmal so, als wäre es das Privileg einiger weniger, von Gott zu hören. Braucht es dazu vielleicht eine besondere Gabe oder eine außergewöhnliche Erfahrung? Oder spricht Gott nur zu denen, die daran glauben? Für Christen ist die Bibel der wichtigste Weg, von Gott zu hören. Sie hat eine so hohe Bedeutung, weil sie ohne Vorbedingungen für jedermann zugänglich ist. Martin Luther nannte das die äußere Klarheit der Schrift: Man kann die Bibel auch dann verstehen, wenn man keine religiöse Erfahrung hat oder noch nicht an Gott glaubt. Davon unterschied er die innere Klarheit der Schrift, den Glauben daran, dass sie auch wahr ist. Auch, wenn dieser Glaube nicht vorhanden ist, bleibt die Bibel verständlich und zugänglich. Natürlich ist Gottes Wort dadurch auch verwundbar: Jeder, der will, kann eine Bibel in die Hand nehmen und sein eigenes Urteil darüber fällen, sie annehmen oder ablehnen, kritisieren oder gar verbrennen. Aber das hat Gott in Kauf genommen, damit wirklich alle von ihm hören können. Denn Gott schweigt nicht. Im 2. Timotheusbrief erklärt der Apostel Paulus, wie Gott konkret durch die Bibel spricht. Sie ist von Gott eingegeben, um vier Dinge zu erreichen: Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen. (2. Timotheus 3,16; Neue Genfer Übersetzung) Die Schrift unterrichtet in der Wahrheit Wenn die Schrift „unterrichtet“, hört sich das zunächst etwas theoretisch an. Es geht darum, dass wir aus der Bibel lernen können, was wahr ist und was nicht. Solche Lehre ist heutzutage nicht mehr so beliebt, weil Tatsachen weniger eindrücklich sind als Erlebnisse. Die Lehre über Gott ist nicht dasselbe wie eine Erfahrung mit Gott, aber sie ist dennoch wichtig. C. S. Lewis vergleicht sie mit einer Landkarte: „Die Lehre ist nicht Gott selbst, sie ist nur eine Art Karte. Aber diese Landkarte beruht auf der Erfahrung hunderter Menschen, die einen wirklichen Zugang zu Gott hatten… Und wenn wir zu einem tieferen Verständnis von Gott gelangen wollen, müssen wir schon die Karte zur Hand nehmen.“ (C. S. Lewis, Pardon ich bin Christ, Basel 1982, S. 122) Die Schrift deckt Schuld auf Die Bibel ist nicht nur dazu da, bestimmte Lehren festzulegen. Sonst hätte schließlich eine Zusammenfassung von den entscheidenden Wahrheiten, die man glauben soll, gereicht. Doch es geht um mehr: Die Schrift will eine Begegnung mit Gott ermöglichen. Wer Gott begegnet, erkennt dabei häufig die eigenen Probleme. Denn Gott ist anders als die Gesellschaft, in der wir leben – frei von dem Unrecht und der Unzufriedenheit, die unsere Schlagzeilen bestimmen. Durch die Bibel beruft er Menschen, ihre Fehler zu erkennen und ebenfalls anders zu sein. Die Schrift bringt auf den richtigen Weg Der Kirchenvater Augustin (354-430 n. Chr.) kam mit 31 Jahren zum Glauben an Jesus. Er beschreibt seine entscheidende Begegnung mit Gott als einen Moment, in dem er einen Vers aus der Bibel las: „Ich nahm das Buch, öffnete es und las die erste Stelle, worauf mein Auge fiel: ‚Lebt ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. Legt den Herrn Jesus Christus an, und sorgt nicht so für euren Leib, dass die...

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Gottes Liebe – ganz anders & ganz herrlich (12.2.2012)

Die Art und Weise, wie wir über Gott denken, hat große Auswirkungen auf unser Leben. Durch den alttestamentlichen Propheten Hosea stellt Gott sich in außergewöhnlicher Weise vor. Der Scheinwerfer ist dabei im Besonderen auf Gottes LIEBE gerichtet. Vier Dinge lassen sich über Gottes Liebe sagen. 1) Gottes Liebe ist die eines vollkommenen Vaters (Verse 1-4). Gott beschreibt hier, wie er sein Volk Israel im Alten Testament geliebt hat wie ein Vater sein Kind. Er hat es aus der Sklaverei befreit, er hat es getragen, bewahrt, und versorgt. Gott tut das auch für seine Leute heute, selbst wenn sie durch ihr Verhalten keine Dankbarkeit an den Tag legen. Liebe und Verantwortung zeichnen ihn dabei als perfekten Vater aus. 2) Gottes Liebe ist kein Widerspruch zu seinem gerechten Zorn (Verse 5-7). Für Israel hatte ihr fortgesetzter Ungehorsam zur Folge, dass Gott ihnen sein Gericht durch die Assyrer brachte. Gottes gerechter Zorn ist ein Ausdruck seiner reinen Liebe, die Ungerechtigkeit nicht dulden kann, sondern bestrafen muss. Doch mit dem Gericht ist nicht das Ende für sein Volk gekommen. 3) Gottes Liebe ist leidenschaftlich, barmherzig und ganz anders (Verse 8-9). Gottes Liebe besteht in einer derartig tiefen und leidenschaftlichen Zuneigung zu seinem Volk, dass er ihm lieber seine Barmherzigkeit zeigen will, anstatt es im Zorn zu vernichten. Hier entsteht die zentrale Fragestellung des Christentums und der ganzen Menschheit: Wie kann ein heiliger, gerechter und zorniger Gott sündigen Menschen seine Liebe zeigen und sie in die Gemeinschaft mit sich bringen? Die Antwort des Evangeliums ist, dass JESUS CHRISTUS als wahrer Gott und wahrer Mensch auf die Erde kam. Er war sündlos, trat aber an die Stelle der sündigen Menschen. Er lebte das von Gott geforderte gerechte Leben, das niemand gelebt hat. Und er ließ am Kreuz das Gericht Gottes über sich ergehen, das alle verdient hatten. Im Glauben an diesen Jesus, der auferstanden ist und lebt, bekommt man die Gerechtigkeit von Jesus angerechnet – im Tausch gegen die eigene Ungerechtigkeit. So ist die Gemeinschaft mit Gott möglich. 4) Gottes Liebe ist stark und beschützend (Verse 10-11). Dieser Gott wird mit einem brüllenden Löwen verglichen. Auf seinen mächtigen Ruf hin kommen all die Menschen zu ihm, die an seinen Sohn Jesus Christus glauben. Sie ordnen sich ehrfüchtig und voller Freude seiner Herrschaft unter und finden bei ihm Schutz und Heimat. Wenn Gott so ist, wie er sich selbst darstellt, voller leidenschaftlicher Liebe und Hingabe – dann lautet die Frage an uns: Wie reagieren wir auf diese Liebe? Wer die Schönheit dieser Liebe erkennt und darüber staunt, der wird von ihr in den Bann gezogen und möchte diesem Gott folgen und seine Liebe erwidern. Das ist die höchste Bestimmung eines Menschen, die zugleich Gott ehrt und den Menschen glücklich macht.   Die Bibel, Hosea 11,1-11 1 Als Israel jung war, habe ich es in mein Herz geschlossen, und ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen.1 2 Immer, wenn ich ihn2 rief, lief er vor mir davon. Er opferte den Baalen und verbrannte vor den Götzenstatuen Räucherwerk. 3 Aber ich war es doch, der Israel3 bei seinen ersten Schritten geleitet hat. Ich hielt sie fürsorglich in meinen Armen. Sie waren sich aber gar nicht bewusst, dass ich es war, der sie geheilt hatte. 4 Ich lenkte Israel mit Fesseln der Güte und Stricken der Liebe. Ich hob das Joch auf seinem Nacken an, um es ihm leichter zu machen, beugte mich zu ihm hinunter und gab ihm zu essen. 5 Mein Volk weigert sich aber, zu mir zurückzukehren. Deshalb müssen sie wieder zurück nach Ägypten, und Assur soll sein König sein. 6 Der Krieg soll über ihre...

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Jesus ist einmalig. Und wir? – 22.1.2012

Jesus ist einmalig – Und wir? Jesus ist der Schöpfer und Erhalter der Welt, er ist die Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes, das Ebenbild seines Wesens. In Jesus sehen wir den Vater im Himmel – enorm, was da in äußerst kurzer Form ausgesagt wird. Auch wir sind einmalig. Unter den 7 Milliarden Menschen auf unserer Erde soll es nicht zwei vollkommen gleiche Menschen geben. Jeder ist anders. Jeder Mensch ist einmalig. Welchen Ideenreichtum hat der Schöpfer in seine Menschen hineingelegt. Welchen Ideenreichtum hat Jesus, durch den die Welt geschaffen wurde, in seine Menschen hinein gelegt – in uns hineingelegt. Psalm 139, 16: Deine Augen sahen mich, als ich noch unentwickelt war, und es waren alle Tage in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten, als derselben noch keiner war. – und diese Gedanken Gottes für unser Leben waren Gedanken des Friedens – und es hätte uns so gut getan, wenn wir danach von Anfang an gefragt hätten – und es würde uns auch heute noch gut tun, wenn wir uns danach richten würden. In dem Brief an die Epheser Kapitel 2 heißt es im Vers 10: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ Ist uns das bewusst, ist euch das bewusst, dass der heutige Sonntag schon von Jesus für uns alle voll durchgeplant ist? Und wisst ihr, was ihr heute nach dieser Planung Gottes noch alles tun solltet – oder auch nicht tun solltet? Wenn wir uns an Jesus messen, dann könnte uns das schon deprimieren. Selbst bei noch so gutem Willen werden wir ihm in seinem auch als Mensch vorbildlichen Leben nie wirklich so richtig ähnlich oder gar gleich werden. Wir sind zu schwach dazu, wir schaffen das nicht. Im Kapitel 2 des Hebräerbriefes sagt der Verfasser im ersten Vers: Darum sollten wir umso mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa abgleiten. Jesus ist unser Erlöser, der zur Rechten Gottes sitzt – nicht als Verdammer der Menschen, sondern als unser Fürsprecher. In Jesus erkennen wir einen Vater im Himmel, der uns voller Liebe anschaut, der uns gut tun möchte, der unser Herz mit tiefem Frieden ausfüllen möchte. In Jesus sehen wir einen Vater, der uns jeden Augenblick begleitet und uns nie alleine lässt. In Jesus erkennen wir, wie gnädig Gott zu uns ist. Seine Gnade ist unermesslich groß – und das macht uns Mut. In der Jahreslosung sagt Jesus uns ja zu: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Diesem Satz geht die Aufforderung voraus: Lass dir an meiner Gnade genügen. Vor unserem Herrn sich zu beugen und ihm Gehorsam zu versprechen – das ist auch für uns heute die wahre Anbetung. Und wenn er uns annimmt, dann ist das eine Gnade – er müsste es ja nicht. Aber er tut es, jedenfalls hat er das zugesagt: Seine Gnade ist es, die uns trägt, die uns immer wieder aufhilft und die uns vor dem Abgleiten bewahrt. Seine Gnade ist es, die uns verändert, damit wir Jesus Christus immer ähnlicher werden können und damit durch uns auch etwas von diesem Glanz Gottes in unsere Welt hinein strahlen kann. Und für diese seine Gnade dürfen wir immer neu dankbar...

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